Ent­nah­men vom Kapi­tal­kon­to des Kom­man­di­tis­ten – und ihre Anfechtung

Die Ent­nah­me von Gut­ha­ben auf einem Kapi­tal­kon­to des Kom­man­di­tis­ten ist wie die Rück­ge­währ eines Gesell­schaf­ter­dar­le­hens anfecht­bar, wenn die Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­trags ergibt, dass das Gut­ha­ben kei­ne Betei­li­gung des Kom­man­di­tis­ten, son­dern schuld­recht­li­che For­de­run­gen ausweist.

Ent­nah­men vom Kapi­tal­kon­to des Kom­man­di­tis­ten – und ihre Anfechtung

Dies fin­det sei­ne Grund­la­ge in § 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO. Des­we­gen kann dahin­ste­hen, ob mög­li­cher­wei­se auch Kapi­tal­schutz­be­stim­mun­gen der Zah­lung von Gewin­nen an den Kom­man­di­tis­ten ent­ge­gen­ste­hen [1].

Die in der Rechts­form einer GmbH & Co. KG geführ­te Kom­man­dit­ge­sell­schaft wird gemäß § 39 Abs. 4 InsO von der Rege­lung des § 135 Abs. 1 Nr. 2, § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO erfasst, weil sie kei­ne natür­li­che Per­son als per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter hat. Der Kom­man­di­tist ist Gesell­schaf­ter der Kom­man­dit­ge­sell­schaft, weil er ihr allei­ni­ger Kom­man­di­tist und zudem Allein­ge­sell­schaf­ter der Kom­ple­men­tär-GmbH der Kom­man­dit­ge­sell­schaft ist [2].

Die Gewinn­aus­zah­lung an den Kom­man­di­tis­ten in Höhe von 250.000 € unter­liegt als Rück­füh­rung einer einem Dar­le­hen wirt­schaft­lich ent­spre­chen­den For­de­rung gemäß § 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO der Anfech­tung.

Die Vor­schrif­ten in § 135 Abs. 1 Nr. 2, § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO unter­wer­fen neben For­de­run­gen auf Rück­ge­währ eines Gesell­schaf­ter­dar­le­hens auch For­de­run­gen aus Rechts­hand­lun­gen, die einem sol­chen Dar­le­hen wirt­schaft­lich ent­spre­chen, dem insol­venz­recht­li­chen Nach­rang und damit auch der Insol­venz­an­fech­tung. Unge­ach­tet des Ent­ste­hungs­grun­des ent­spre­chen einem Dar­le­hen alle aus sons­ti­gem Rechts­grund her­rüh­ren­den For­de­run­gen, die der Gesell­schaft recht­lich oder rein fak­tisch gestun­det wer­den, weil eine Stun­dung bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung eine Dar­le­hens­ge­wäh­rung bewirkt. Wird eine Leis­tung bar­ge­schäft­lich abge­wi­ckelt, schei­det eine recht­li­che oder rein fak­ti­sche Stun­dung, die zur Umqua­li­fi­zie­rung als Dar­le­hen führt, aus [3]. Wird eine aus einem ande­ren Rechts­grund als Dar­le­hen her­rüh­ren­de For­de­rung eines Gesell­schaf­ters über einen Zeit­raum von mehr als drei Mona­ten rechts­ge­schäft­lich oder fak­tisch zu Guns­ten der Gesell­schaft gestun­det, han­delt es sich grund­sätz­lich um eine dar­le­hens­glei­che For­de­rung [4].

Wird durch einen Gewinn­ver­wen­dungs­be­schluss der Gesell­schaft ein Gewinn­an­spruch des Gesell­schaf­ters begrün­det, han­delt es sich um eine dar­le­hens­glei­che For­de­rung, wenn die Gewinn­for­de­rung ste­hen gelas­sen wird. Der Gewinn­an­spruch des Gesell­schaf­ters aus der Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft wird sei­nem Ver­mö­gen jeden­falls ab dem Zeit­punkt zuge­ord­net, in dem die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung den Gewinn­ver­wen­dungs­be­schluss gefasst hat. Mit die­sem Zeit­punkt ist der Gewinn­an­spruch als Gläu­bi­ger­an­spruch ent­stan­den. Das ent­spricht den Dif­fe­ren­zie­run­gen, die zu § 58 Abs. 4 AktG und § 29 GmbHG zwi­schen dem all­ge­mei­nen mit­glied­schaft­li­chen Anspruch auf Gewinn­be­tei­li­gung, dem mit dem fest­ge­stell­ten Jah­res­ab­schluss ent­ste­hen­den Anspruch auf Aus­schüt­tung des Bilanz­ge­winns und dem Divi­den­den­an­spruch, der aus dem Gewinn­ver­wen­dungs­be­schluss beruht, getrof­fen wer­den [5]. Mit dem Ablauf des Geschäfts­jah­res wird ein mit­glied­schaft­li­cher Anspruch auf Fest­stel­lung des Jah­res­ab­schlus­ses und Fas­sung eines Gewinn­ver­wen­dungs­be­schlus­ses, der Aus­zah­lungs­an­spruch auf die aus­ge­schüt­te­te Divi­den­de aber erst mit dem Gewinn­ver­wen­dungs­be­schluss und durch den­sel­ben begrün­det [6]. Wird die beschlos­se­ne Divi­den­den­for­de­rung ste­hen gelas­sen, kann sie sich nach ein­heit­li­cher Auf­fas­sung in eine dar­le­hens­glei­che For­de­rung ver­wan­deln [7].

Im hier ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies:

Das auf dem Pri­vat­kon­to des Kom­man­di­tis­ten befind­li­che Gut­ha­ben, zu des­sen Las­ten die Zah­lung der 250.000 € vor­ge­nom­men wor­den war, stell­te eine schuld­recht­li­che For­de­rung des Kom­man­di­tis­ten gegen die Kom­man­dit­ge­sell­schaft dar. Die­se For­de­rung hat der Kom­man­di­tist für mehr als acht Mona­te auf sei­nem Pri­vat­kon­to ste­hen gelas­sen, so dass es sich bei der Aus­zah­lung der 250.000 € um die Rück­ge­wäh­rung einer For­de­rung, die einem Dar­le­hen wirt­schaft­lich ent­spricht (§ 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO), handelte.

Mit der Beschluss­fas­sung über die Ver­wen­dung des aus­ge­wie­se­nen Jah­res­ge­winns für das Geschäfts­jahr 2012 in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der Kom­man­dit­ge­sell­schaft und der Kom­ple­men­tär-GmbH am 24.04.2013 ist ein selb­stän­di­ger Gewinn­an­spruch des Kom­man­di­tis­ten ent­stan­den, wel­cher als eigen­stän­di­ge For­de­rung sei­nem Ver­mö­gen zuzu­ord­nen ist. In Umset­zung des Gewinn­ver­wen­dungs­be­schlus­ses wur­de der Anteil des Kom­man­di­tis­ten am Jah­res­über­schuss für das Geschäfts­jahr 2012 in Höhe von 401.059, 15 € auf sein Pri­vat­kon­to gebucht, wel­ches zum 31.12.2012 sodann ein Gut­ha­ben von 731.724, 75 € aus­wies. Die­ses Gut­ha­ben wur­de auch nicht durch den im Geschäfts­jahr 2013 erziel­ten Ver­lust der Kom­man­dit­ge­sell­schaft verringert.

Das auf dem Pri­vat­kon­to des Kom­man­di­tis­ten vor­han­de­ne Gut­ha­ben ist als schuld­recht­li­che For­de­rung des Kom­man­di­tis­ten gegen die Kom­man­dit­ge­sell­schaft und nicht als Aus­weis sei­ner Betei­li­gung an der Kom­man­dit­ge­sell­schaft zu qualifizieren.

Führt eine Kom­man­dit­ge­sell­schaft – wie hier – für ihre Kom­man­di­tis­ten meh­re­re Kon­ten mit ver­schie­de­nen Bezeich­nun­gen, ist durch Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­trags zu ermit­teln, wel­che Rechts­na­tur die­se Kon­ten haben. Dabei ist die Bezeich­nung des Kon­tos für sich gese­hen nicht für die recht­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on aus­rei­chend. Maß­geb­lich ist viel­mehr der sich aus dem Gesell­schafts­ver­trag erge­ben­de Wil­le der Gesell­schaf­ter und der mit der Ein­rich­tung des Kon­tos ver­folg­te Zweck [8].

Ent­schei­den­de Bedeu­tung für die Ein­ord­nung eines Gut­ha­bens auf einem Kapi­tal­kon­to eines Kom­man­di­tis­ten als Aus­weis einer Betei­li­gung oder eines For­de­rungs­rechts kommt dem Umstand zu, ob Ver­lus­te das Kon­to belas­ten dür­fen oder ob sie von einem ande­ren Kapi­tal­kon­to abzu­set­zen oder einem Ver­lust­son­der­kon­to zuzu­schrei­ben sind [9]. Typi­sches Kenn­zei­chen für eine Ein­la­ge ist, dass der Gesell­schaf­ter mit die­ser Ein­la­ge auch am Ver­lust der Gesell­schaft betei­ligt ist. Wenn auf einem Kapi­tal­kon­to spä­te­re Ver­lus­te abge­setzt wer­den kön­nen, die auf dem­sel­ben Kon­to ste­hen gelas­se­ne Gewin­ne auf­zeh­ren kön­nen, wird mit dem Kon­to daher im Regel­fall eine Betei­li­gung aus­ge­wie­sen. Dem­ge­gen­über ist vom Vor­lie­gen einer unent­zieh­ba­ren For­de­rung aus­zu­ge­hen, wenn eine spä­te­re Ver­lust­ver­rech­nung aus­ge­schlos­sen ist.

Vor­lie­gend ist in § 10 GV eine Ver­rech­nung von Ver­lust­an­tei­len der Gesell­schaf­ter ledig­lich mit Gut­ha­ben auf den Kapi­tal­kon­ten II und III, nicht aber mit Gut­ha­ben auf den Pri­vat­kon­ten vorgesehen.

Nach § 10 Abs. 3 GV wer­den auf das als Kapi­tal­rück­la­gen­kon­to geführ­te Kapi­tal­kon­to II Ein­la­gen der Gesell­schaf­ter gebucht, sofern die Gesell­schaf­ter dies beschlie­ßen. Die Ein­la­gen auf dem Kapi­tal­kon­to II die­nen dazu, schon erlit­te­ne Ver­lus­te oder künf­ti­ge Ver­lus­te der Gesell­schaft aus­zu­glei­chen und wer­den mit Ver­lust­an­tei­len ver­rech­net. Auf das als Gewinn­rück­la­ge- und Ver­lust­vor­trags­kon­to geführ­te Kapi­tal­kon­to III wer­den nach § 10 Abs. 4 GV Tei­le des Jah­res­über­schus­ses gebucht, sofern die Gesell­schaf­ter dies beschlie­ßen. Außer­dem wer­den auf dem Kapi­tal­kon­to III etwai­ge Ver­lust­an­tei­le der Gesell­schaf­ter gebucht, soweit die­se nicht aus den Kapi­tal­kon­ten II gedeckt wer­den können.

Dem­ge­gen­über wer­den gemäß § 10 Abs. 5 GV über das Pri­vat­kon­to ins­be­son­de­re Gewinn­gut­schrif­ten und ‑ent­nah­men gebucht. Eine Ver­lust­ver­rech­nung mit dem Gut­ha­ben auf den Pri­vat­kon­ten der Gesell­schaf­ter ist – anders als bei den Kapi­tal­kon­ten II und III – nicht aus­drück­lich vor­ge­se­hen. Aus dem Umstand, dass Tei­le des Jah­res­über­schus­ses den als Gewinn­rück­la­ge- und Ver­lust­vor­trags­kon­ten geführ­ten Kapi­tal­kon­ten III zuge­führt wer­den kön­nen, folgt im Umkehr­schluss zudem, dass es sich bei den auf das Pri­vat­kon­to gebuch­ten Gewinn­gut­schrif­ten um grund­sätz­lich ent­nah­me­fä­hi­ge Gewinn­an­tei­le der Gesell­schaf­ter han­deln muss.

Die in § 13 GV vor­ge­se­he­ne Ent­nah­me­be­schrän­kung, wonach die Gesell­schaf­ter ohne vor­he­ri­gen Beschluss der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung von ihrem Pri­vat­kon­to 50 vom Hun­dert der auf sie ent­fal­len­den Gewin­ne zuzüg­lich eines Betra­ges, der der auf ihre Betei­li­gung zu ent­rich­ten­den Ein­kom­men­steu­er ent­spricht, (nur) nach Aus­gleich ihrer Ver­lust­kon­ten ent­neh­men kön­nen und wei­ter­ge­hen­de Ent­nah­men einer Beschluss­fas­sung der Gesell­schaf­ter bedür­fen, bewirkt kei­ne Betei­li­gung der Gut­ha­ben auf den Pri­vat­kon­ten an den Ver­lus­ten der Gesell­schaft. Ent­nah­me­be­schrän­kun­gen in Gesell­schafts­ver­trä­gen sind nichts Unge­wöhn­li­ches, son­dern wer­den häu­fig zur Erhal­tung der Liqui­di­tät der Gesell­schaft ver­ein­bart und set­zen gera­de vor­aus, dass die Gesell­schaf­ter sonst Anspruch auf eine sofor­ti­ge Aus­zah­lung haben wür­den [10].

Im Übri­gen kön­nen auch Gesell­schaf­ter­dar­le­hen mit Kün­di­gungs­be­schrän­kun­gen ver­se­hen sein, die Ent­nah­me­be­schrän­kun­gen wirt­schaft­lich ver­gleich­bar sind.

Auch die Rege­lung in § 17 GV zur Abfin­dung eines aus­schei­den­den Gesell­schaf­ters steht einer Qua­li­fi­ka­ti­on des Gut­ha­bens auf dem Pri­vat­kon­to als schuld­recht­li­che For­de­rung des Kom­man­di­tis­ten nicht ent­ge­gen. Danach wird das Abfin­dungs­gut­ha­ben des aus­schei­den­den Gesell­schaf­ters in Höhe des nach betriebs­wirt­schaft­li­chen Unter­neh­mens­be­wer­tungs­grund­sät­zen zu ermit­teln­den Werts des Gesell­schafts­an­teils um den Sal­do des „Dar­le­hens­kon­tos“ (gemeint ist das Pri­vat­kon­to) erhöht oder bei nega­ti­vem Sal­do ermä­ßigt. Eine Ver­rech­nung des Gut­ha­bens auf dem Pri­vat­kon­to mit etwai­gen Ver­lust­an­tei­len ist bei der Ermitt­lung des Abfin­dungs­an­spruchs dage­gen nicht vor­ge­se­hen [11].

Als zusätz­li­ches Indiz für die recht­li­che Ein­ord­nung des Kon­tos kann des­sen Bezeich­nung als „Pri­vat­kon­to (Ver­rech­nungs­kon­to)“ her­an­ge­zo­gen wer­den. Unter der Bezeich­nung „Pri­vat­kon­to“ oder „Ver­rech­nungs­kon­to“ wer­den wei­te­re lau­fen­de For­de­run­gen und Ver­bind­lich­kei­ten zwi­schen Gesell­schaft und Gesell­schaf­ter ver­bucht. Der­ar­ti­ge Kon­ten spie­geln daher regel­mä­ßig schuld­recht­li­che For­de­rungs­rech­te der Gesell­schaf­ter wider, nicht aber Betei­li­gungs­rech­te [12].

In § 10 Abs. 5 GV ist neben der Bezeich­nung des Kon­tos als „Pri­vat­kon­to (Ver­rech­nungs­kon­to)“ aus­drück­lich vor­ge­se­hen, dass es der Abwick­lung aller sons­ti­ger Buchun­gen im Ver­hält­nis zu der Gesell­schaft dient, soweit sie nicht die Kapi­tal­kon­ten I, II oder III berüh­ren. Aus der Gesamt­schau mit den Rege­lun­gen in § 10 Abs. 2, Abs. 3 GV zum Zweck der Kapi­tal­kon­ten I und II ergibt sich wei­ter, dass der Bestand des Pri­vat­kon­tos kei­nen Ein­fluss auf die fes­ten Kapi­tal­an­tei­le und die Betei­li­gung der Gesell­schaf­ter haben sollte.

Dafür, dass es sich bei dem Pri­vat­kon­to um ein For­de­rungs­kon­to han­delt, wel­ches eine schuld­recht­li­che For­de­rung des Kom­man­di­tis­ten aus­weist, spricht auch die in § 10 Abs. 5 GV vor­ge­se­he­ne fes­te, gewinn­un­ab­hän­gi­ge Ver­zin­sung der Gut­ha­ben und der Schul­den. Eine aus­drück­lich ver­ein­bar­te oder still­schwei­gend gewähr­te fes­te Ver­zin­sung kann inso­weit als Indiz gewer­tet wer­den [13]. In dem Gesell­schafts­ver­trag der Kom­man­dit­ge­sell­schaft wird dies­be­züg­lich auch zwi­schen den Pri­vat­kon­ten und den Kapi­tal­kon­ten I, II und III dif­fe­ren­ziert, denn letz­te­re sind gem. § 10 Abs. 2, Abs. 3 und Abs. 4 GV aus­drück­lich unverzinslich.

Schließ­lich spricht der Aus­weis der Pri­vat­kon­ten in den Bilan­zen der Kom­man­dit­ge­sell­schaft unter „Ver­bind­lich­kei­ten gegen­über Gesell­schaf­tern“ für die sich aus dem Gesell­schafts­ver­trag erge­ben­de Qua­li­fi­zie­rung der auf den Pri­vat­kon­ten aus­ge­wie­se­nen Gut­ha­ben als schuld­recht­li­che For­de­rung des Kommanditisten.

Die von dem Kom­man­di­tis­ten auf sei­nem Pri­vat­kon­to für die Dau­er von mehr als acht Mona­ten ste­hen gelas­se­ne Gewinn­for­de­rung gegen die Kom­man­dit­ge­sell­schaft ent­spricht wirt­schaft­lich einem Dar­le­hen im Sin­ne des § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO.

Die Anfech­tungs­frist von einem Jahr (§ 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO) ist im Blick auf die am 8.01.2014 erfolg­te Aus­zah­lung an den Kom­man­di­tis­ten und den am 24.04.2014 gestell­ten Insol­venz­an­trag gewahrt. Die Insol­venz­an­fech­tung der Rück­ge­währ eines Gesell­schaf­ter­dar­le­hens bin­nen eines Jah­res vor Stel­lung eines Insol­venz­an­trags setzt ent­ge­gen der von dem Kom­man­di­tis­ten in den Vor­in­stan­zen ver­tre­te­nen Auf­fas­sung kei­ne Kri­se der Gesell­schaft vor­aus [14].

Die in der Lite­ra­tur und ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung strei­ti­ge Fra­ge, ob ein ste­hen­ge­las­se­ner Gewinn­an­spruch des Gesell­schaf­ters bei Auf­lö­sung einer Gewinn­rück­la­ge oder eines Gewinn­vor­trags als dar­le­hens­glei­che For­de­rung zu bewer­ten ist [15], bedarf im Streit­fall nach all­dem kei­ner Entscheidung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2020 – IX ZR 122/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 28.01.2020 – II ZR 10/​19, WM 2020, 515, zVb in BGHZ 224, 235[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 21.11.2019 – IX ZR 223/​18, WM 2020, 98 Rn. 12[]
  3. BGH, Urteil vom 11.07.2019 – IX ZR 210/​18, WM 2019, 1646 Rn. 12 f[]
  4. BGH, aaO Rn. 15 ff[]
  5. BGH, Urteil vom 12.01.1998 – II ZR 82/​93, BGHZ 137, 378, 381; vom 14.09.1998 – II ZR 172/​97, BGHZ 139, 299, 302 f; vom 30.06.2004 – VIII ZR 349/​03, WM 2004, 1684, 1685[]
  6. BGH, Urteil vom 14.09.1998, aaO S. 303[]
  7. vgl. etwa Mül­ler in Ulmer/​Habersack/​Löbbe, GmbHG, 2. Aufl., § 29 Rn. 64; Pries­ter, GmbHR 2017, 1245, 1247[]
  8. BFH, Urteil vom 15.05.2008 – IV R 46/​05, DStR 2008, 1577, 1578; OLG Schles­wig, ZIP 2017, 622, 625; vgl. BGH, Urteil vom 23.02.1978 – II ZR 145/​76, WM 1978, 342, 343; von Falkenhausen/​Schneider in Mün­che­ner Hand­buch des Gesell­schafts­rechts, Band 2, 5. Aufl., § 22 Rn. 50[]
  9. BFH, Urteil vom 15.05.2008, aaO S. 1578; OLG Schles­wig, aaO S. 625[]
  10. BGH, Urteil vom 23.02.1978 – II ZR 145/​76, WM 1978, 342, 343; OLG Köln, ZIP 2000, 1726, 1727 f[]
  11. vgl. im Übri­gen BGH, Urteil vom 23.02.1978, aaO S. 344[]
  12. von Falkenhausen/​Schneider, aaO Rn. 70 f[]
  13. OLG Köln, ZIP 2000, 1726, 1728; von Falkenhausen/​Schneider, aaO Rn. 51, 66[]
  14. BGH, Beschluss vom 30.04.2015 – – IX ZR 196/​13, WM 2015, 1119 Rn. 5[]
  15. vgl. etwa Baumbach/​Hueck/​Haas, GmbHG, 22. Aufl., Anh. § 64 Rn. 83a mwN[]