Zah­lungs­un­fä­hig­keit – auch ohne „ernst­li­ches Ein­for­dern“ der Schuld

Zah­lungs­un­fä­hig ist, wer nicht in der Lage ist, die fäl­li­gen Zah­lungs­pflich­ten zu erfül­len (§ 17 Abs. 2 InsO).

Zah­lungs­un­fä­hig­keit – auch ohne „ernst­li­ches Ein­for­dern“ der Schuld

Wird – wie hier – ein befris­te­tes Dar­le­hen durch Zeit­ab­lauf fäl­lig, ist die Til­gungs­ver­pflich­tung des Schuld­ners bei der Prü­fung sei­ner Zah­lungs­un­fä­hig­keit auch dann zu berück­sich­ti­gen, wenn der Dar­le­hens­ge­ber ihn nicht im Sin­ne eines Ein­for­derns kon­kret zur Rück­zah­lung auf­ge­for­dert hat [1].

Unge­ach­tet des­sen dient das Merk­mal des „ernst­li­chen Ein­for­derns“ nach der Recht­spre­chung ohne­hin allein dem Zweck, sol­che For­de­run­gen aus­zu­neh­men, die rein tat­säch­lich – also auch ohne recht­li­chen Bin­dungs­wil­len oder erkenn­ba­re Erklä­rung – gestun­det sind [2].

Der Bun­des­ge­richts­hof neigt daher der Auf­fas­sung zu, wonach die Fäl­lig­keit von For­de­run­gen im insol­venz­recht­li­chen Sinn nicht vor­aus­setzt, dass die geschul­de­te Leis­tung „ernst­haft ein­ge­for­dert“ wird [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Okto­ber 2020 – 5 StR 618/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 22.11.2012 – – IX ZR 62/​10, NZI 2013, 129, 130[]
  2. vgl. BGH, aaO; Urteil vom 19.12.2017 – – II ZR 88/​16, NJW 2018, 1089, 1090[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 23.05.2007 – 1 StR 88/​07, NStZ 2007, 643, 644; aA BGH, Beschluss vom 16.05.2017 – 2 StR 169/​15, wis­tra 2017, 495, 498; vgl. auch Baum­ert NJW 2019, 1486, 1487 f.[]