Ver­trag­li­che Kün­di­gungs­frist – und ihre Abkür­zung in der Insolvenz

Die Abkür­zung der ver­trag­li­chen Kün­di­gungs­frist durch § 113 Satz 2 InsO ver­stößt nach Ansicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht gegen Verfassungsrecht.

Ver­trag­li­che Kün­di­gungs­frist – und ihre Abkür­zung in der Insolvenz

GG gewährt kei­nen unmit­tel­ba­ren Schutz gegen den Ver­lust eines Arbeits­plat­zes auf­grund pri­va­ter Dis­po­si­tio­nen. Der aus Art. 12 Abs. 1 GG fol­gen­den Schutz­pflicht tra­gen die gel­ten­den Kün­di­gungs­vor­schrif­ten hin­rei­chend Rech­nung. Zu die­sen Vor­schrif­ten gehört auch § 113 Satz 2 InsO, durch den der Gesetz­ge­ber einen ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­den Aus­gleich zwi­schen den sozia­len Belan­gen der Arbeit­neh­mer des insol­ven­ten Unter­neh­mens auf der einen und den Inter­es­sen der Insol­venz­gläu­bi­ger am Erhalt der Mas­se auf der ande­ren Sei­te gefun­den hat.

Der Schutz­be­reich des Art. 6 Abs. 4 GG ist nicht eröff­net, weil § 113 Satz 2 InsO nicht allein Müt­ter betrifft. Der Staat hat auch sei­nen Schutz­auf­trag aus Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG durch § 113 Satz 2 InsO nicht ver­letzt. Die Durch­bre­chung ver­trag­li­cher oder tarif­li­cher Kün­di­gungs­fris­ten trifft alle Arbeit­neh­mer glei­cher­ma­ßen, knüpft also nicht in beson­de­rer Wei­se an die Schwan­ger­schaft der Klä­ge­rin an. § 113 InsO durch­bricht auch nicht den gesetz­li­chen Son­der­kün­di­gungs­schutz nach § 9 MuSchG, von dem die Klä­ge­rin dem­entspre­chend durch die Unwirk­sam­keit der ers­ten Kün­di­gung vom 20.06.2012 pro­fi­tiert hat. Der durch die Abkür­zung der Kün­di­gungs­frist gegen­über der ver­ein­bar­ten ver­trag­li­chen Kün­di­gungs­frist ent­ste­hen­de wirt­schaft­li­che Nach­teil wird sys­tem­im­ma­nent durch den Scha­den­er­satz­an­spruch nach § 113 Satz 3 InsO ausgeglichen.

Die Klä­ge­rin hat nicht dar­ge­legt, dass und wie (wer­den­de) Müt­ter in beson­de­rer Wei­se von der Abkür­zung der Kün­di­gungs­frist durch § 113 InsO nach­tei­lig betrof­fen sind. Eine mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Geschlechts ist damit nicht aufgezeigt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2015 – 6 AZR 492/​14