Zahlungen auf Gesellschaftsschulden mit neuen Darlehensmitteln — und die Haftung des Geschäftsführers

Die Grund­sätze zur Einord­nung von Zahlun­gen auf Gesellschaftss­chulden mit zur Ver­fü­gung gestell­ten Dar­lehens­mit­teln als Mass­eschmälerung im Sinne des § 64 Gmb­HG und zur Berück­sich­ti­gung von Massezu­flüssen als Aus­gle­ich sind durch die Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs bere­its gek­lärt1.

Zahlungen auf Gesellschaftsschulden mit neuen Darlehensmitteln — und die Haftung des Geschäftsführers

In sein­er Entschei­dung vom 18.11.20142 hat der Bun­des­gericht­shof seine frühere Entschei­dung vom 31.03.20033 zitiert und damit die Fort­gel­tung der darin benan­nten Rechts­grund­sätze bestätigt4: Es han­delt sich der Sache nach nicht lediglich um einen Aktiven­tausch, bei dem die Massekürzung dadurch aus­geglichen wird, dass für die Zahlung ein Gegen­wert in das Gesellschaftsver­mö­gen gelangt ist.

Eben­so ist in der Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs die Frage gek­lärt, inwieweit mass­eschmälernde Zahlun­gen gemäß § 64 Satz 2 Gmb­HG sich als solche darstellen kön­nen, die mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kauf­manns vere­in­bar sind. Es ist insoweit anerkan­nt, dass der Geschäfts­führer nicht solche Zahlun­gen im Inter­esse ein­er gle­ich­mäßi­gen Befriedi­gung der Gesellschafts­gläu­biger in einem nach­fol­gen­den Insol­ven­zver­fahren zu unter­lassen hat, durch deren Vor­nahme er sich straf­bar machen würde5.

Eine verän­derte Sach­lage, die eine Entschei­dung des Bun­des­gerichthofs zur Fort­bil­dung des Rechts fordern würde, ist nicht gegeben. Auch im Hin­blick auf eine Entwick­lung der Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs zur Insol­ven­zan­fech­tung nach § 133 InsO6 muss nicht neu bedacht wer­den, ob an der bish­eri­gen Recht­sprechung festzuhal­ten sei. Eine Neube­w­er­tung ist schon deshalb nicht erforder­lich, weil nach der Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs die Ersatzpflicht nach § 64 Gmb­HG unab­hängig von insol­ven­zrechtlichen Anfech­tungstatbestän­den beste­ht7.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 26. Juni 2018 — II ZR 172/17

  1. BGH, Urteil vom 18.11.2014 — II ZR 231/13, BGHZ 203, 218 Rn. 10 mwN zur Par­al­lelvorschrift § 130a Abs. 1 HGB []
  2. BGH, Urteil vom 18.11.2014 — II ZR 231/13, BGHZ 203, 218 Rn. 10 mwN zur Par­al­lelvorschrift § 130a Abs. 1 HGB []
  3. BGH, Urteil vom 31.03.2003 — II ZR 150/02, ZIP 2003, 1005 ff. []
  4. BGH, Urteil vom 18.11.2014 — II ZR 231/13, BGHZ 203, 218 Rn. 9, 11 []
  5. BGH, Urteil vom 05.05.2008 — II ZR 38/07, NJW 2008, 2504 Rn. 13 f.; Urteil vom 25.01.2011 — II ZR 196/09, ZIP 2011, 422 Rn. 17 []
  6. BGH, Urteil vom 12.05.2016 — IX ZR 65/14, BGHZ 210, 249 f. []
  7. BGH, Urteil vom 31.03.2003 — II ZR 150/02, ZIP 2003, 1005, 1007 mit Hin­weis auf BGH, Urteil vom 18.12 1995 — II ZR 277/94, BGHZ 131, 325, 328 ff. []