Bank­rott – und zugleich Betrug

Ein Betrug kann in Form des Pro­zess­be­trugs als Unter­fall des Drei­ecks­be­trugs durch den Insol­venz­schuld­ner ver­wirk­licht wor­den sein, wenn das Insol­venz­ge­richt auf­grund der fal­schen Anga­ben zum Ver­mö­gen irr­tums­be­dingt eine Ent­schei­dung getrof­fen hat, die unmit­tel­bar die Ver­mö­gens­la­ge der Insol­venz­gläu­bi­ger beein­träch­tigt hat.

Bank­rott – und zugleich Betrug

Inso­fern stimm­ten die Aus­füh­rungs­hand­lung des Bank­rotts in Form des „Ver­heim­li­chens“ und die Täu­schung durch die fal­schen Anga­ben gegen­über dem Insol­venz­ge­richt über­ein [1].

Der Tat­be­stand des Bank­rotts wird auch nicht durch den Tat­be­stand des Betrugs ver­drängt oder umge­kehrt. Das wäre nach der Recht­spre­chung des BGH nur dann der Fall, wenn der Unrechts­ge­halt einer Hand­lung durch einen von meh­re­ren, dem Wort­laut nach anwend­ba­ren Straf­tat­be­stän­den erschöp­fend erfasst wird [2]. Maß­ge­bend für die Beur­tei­lung sind die Rechts­gü­ter, gegen die sich der Angriff des Täters rich­tet und die Tat­be­stän­de, die das Gesetz zu ihrem Schutz auf­stellt [3].

Die Ver­let­zung des durch den einen Straf­tat­be­stand geschütz­ten Rechts­guts muss eine – wenn nicht not­wen­di­ge, so doch regel­mä­ßi­ge – Erschei­nungs­form des ande­ren Tat­be­stan­des sein [4]. Wäh­rend der Tat­be­stand des Bank­rotts nach § 283 Abs. 1 Nr. 1 StGB die voll­stän­di­ge Erfas­sung des pfänd­ba­ren Schuld­ner­ver­mö­gens im Inter­es­se der Gläu­bi­ger schützt [5], bezweckt § 263 StGB aus­schließ­lich den Ver­mö­gens­schutz der ein­zel­nen Ver­mö­gens­in­ha­ber [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. August 2017 – 1 StR 625/​16

  1. zur Tat­ein­heit vgl. RG, Urteil vom 17.03.1932 – – III 841/​31, RGSt 66, 175; Tie­de­mann in LK-StGB, 12. Aufl., § 263 Rn. 317; Rich­ter in Mül­ler-Gugen­ber­ger, Wirt­schafts­straf­recht, 6. Aufl., § 83 Mas­se­schmä­le­rung, Rn. 31; vgl. ähn­lich zur Täu­schung des Grund­buch­rich­ters, RG, Urteil vom 10.10.1932 – – III 553/​32, RGSt 66, 371[]
  2. BGH, Urtei­le vom 05.09.1974 – 4 StR 354/​74, BGHSt 25, 373 Rn. 8; und vom 10.05.1983 – 1 StR 98/​83, BGHSt 31, 380 Rn. 10; Beschluss vom 01.02.2007 – 5 StR 467/​06, BGHR StGB § 264 Abs. 1 Kon­kur­ren­zen 3 Rn. 9[]
  3. BGH, Urteil vom 05.09.1974 – 4 StR 354/​74, BGHSt 25, 373 Rn. 8[]
  4. BGH, Beschluss vom 20.10.1992 – GSSt 1/​92, BGHSt 39, 100 Rn. 31[]
  5. BGH, Beschluss vom 21.03.2017 – 1 StR 602/​16, wis­tra 2017, 355 Rn. 21 mwN; Münch­Komm-StGB/­Rad­tke/­Pe­ter­mann, 2. Aufl., Rn. 11 vor §§ 283 ff. und 283 Rn. 3; Fischer, StGB, 64. Aufl., Rn. 3 vor § 283; Heine/​Schuster in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 283 Rn. 1[]
  6. BGH, Beschluss vom 01.09.1994 – 1 StR 468/​94, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 43 Rn. 5; zur Untreue: Urteil vom 04.04.1979 – 3 StR 488/​78, BGHSt 28, 371 Rn.19; Tie­de­mann in LK-StGB, 12. Aufl., Vor­be­mer­kun­gen vor § 263 Rn. 18[]