Bankrott — und zugleich Betrug

Ein Betrug kann in Form des Prozess­be­trugs als Unter­fall des Dreiecks­be­trugs durch den Insol­ven­zschuld­ner ver­wirk­licht wor­den sein, wenn das Insol­ven­zgericht auf­grund der falschen Angaben zum Ver­mö­gen irrtums­be­d­ingt eine Entschei­dung getrof­fen hat, die unmit­tel­bar die Ver­mö­genslage der Insol­ven­zgläu­biger beein­trächtigt hat.

Bankrott — und zugleich Betrug

Insofern stimmten die Aus­führung­shand­lung des Bankrotts in Form des “Ver­heim­lichens” und die Täuschung durch die falschen Angaben gegenüber dem Insol­ven­zgericht übere­in1.

Der Tatbe­stand des Bankrotts wird auch nicht durch den Tatbe­stand des Betrugs ver­drängt oder umgekehrt. Das wäre nach der Recht­sprechung des BGH nur dann der Fall, wenn der Unrechts­ge­halt ein­er Hand­lung durch einen von mehreren, dem Wort­laut nach anwend­baren Straftatbestän­den erschöpfend erfasst wird2. Maßgebend für die Beurteilung sind die Rechts­güter, gegen die sich der Angriff des Täters richtet und die Tatbestände, die das Gesetz zu ihrem Schutz auf­stellt3.

Die Ver­let­zung des durch den einen Straftatbe­stand geschützten Rechtsguts muss eine – wenn nicht notwendi­ge, so doch regelmäßige – Erschei­n­ungs­form des anderen Tatbe­standes sein4. Während der Tatbe­stand des Bankrotts nach § 283 Abs. 1 Nr. 1 StGB die voll­ständi­ge Erfas­sung des pfänd­baren Schuld­nerver­mö­gens im Inter­esse der Gläu­biger schützt5, bezweckt § 263 StGB auss­chließlich den Ver­mö­genss­chutz der einzel­nen Ver­mö­gensin­hab­er6.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 24. August 2017 — 1 StR 625/16

  1. zur Tatein­heit vgl. RG, Urteil vom 17.03.1932 – — III 841/31, RGSt 66, 175; Tiede­mann in LK-StGB, 12. Aufl., § 263 Rn. 317; Richter in Müller-Gugen­berg­er, Wirtschaftsstrafrecht, 6. Aufl., § 83 Mass­eschmälerung, Rn. 31; vgl. ähn­lich zur Täuschung des Grund­buchrichters, RG, Urteil vom 10.10.1932 – — III 553/32, RGSt 66, 371 []
  2. BGH, Urteile vom 05.09.1974 – 4 StR 354/74, BGHSt 25, 373 Rn. 8; und vom 10.05.1983 – 1 StR 98/83, BGHSt 31, 380 Rn. 10; Beschluss vom 01.02.2007 – 5 StR 467/06, BGHR StGB § 264 Abs. 1 Konkur­ren­zen 3 Rn. 9 []
  3. BGH, Urteil vom 05.09.1974 – 4 StR 354/74, BGHSt 25, 373 Rn. 8 []
  4. BGH, Beschluss vom 20.10.1992 – GSSt 1/92, BGHSt 39, 100 Rn. 31 []
  5. BGH, Beschluss vom 21.03.2017 – 1 StR 602/16, wis­tra 2017, 355 Rn. 21 mwN; MünchKomm-StG­B/Radtke/Peter­mann, 2. Aufl., Rn. 11 vor §§ 283 ff. und 283 Rn. 3; Fis­ch­er, StGB, 64. Aufl., Rn. 3 vor § 283; Heine/Schuster in Schönke/Schröder, StGB, 29. Aufl., § 283 Rn. 1 []
  6. BGH, Beschluss vom 01.09.1994 – 1 StR 468/94, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­genss­chaden 43 Rn. 5; zur Untreue: Urteil vom 04.04.1979 – 3 StR 488/78, BGHSt 28, 371 Rn.19; Tiede­mann in LK-StGB, 12. Aufl., Vorbe­merkun­gen vor § 263 Rn. 18 []